Thomas Weber

Medien- und Kulturwissenschaftler

GCSC zur Eröffnung

Beeinflusst von der aus Frankreich stammenden Mediologie (Régis Debray u.v.a.), kreisen in den letzten Jahren meine Forschungsarbeiten – bzw. auch meine Aktivitäten als Verleger (AVINUS Verlag) und Herausgeber wissenschaftlicher Werke – um die Problematik der Materialität bzw. Medialität von kulturellen Übermittlungsprozessen, bei denen vor allem der Aspekt der Transformation im Vordergrund steht. Derzeit beobachten wir einen tiefgreifenden Wandel von Medienkulturen, der praktisch alle ihre Dimensionen erfasst: ihre Ästhetik ebenso wie ihre Technik, ihre Ökonomie ebenso wie die sozialen Nutzungspraktiken. Dabei stellen sich eine Reihe von Fragen: Nach welchen Mustern verlaufen Transformationsprozesse? Wie schlagen technische Innovationen in politische Programme um oder wie eine ökonomische Strategie in eine bestimmte Ästhetik? Wie wirken sich mediale Transformationen auf die Medialität von Übermittlungen aus und wie ändern sich damit unsere Vorstellungen von Plausibilität und darüber hinaus auch vom „öffentlichen Raum“, der in immer größerem Maße durch temporale (und nicht mehr räumliche) Strukturen geprägt wird? Und welche Konsequenzen hat dies nicht zuletzt auch für den wissenschaftlichen Diskurs selbst, dessen Materialität ja nicht einfach ausgeblendet werden kann?

Für meinen Aufenthalt am GCSC schlage ich folgende Veranstaltungen als Ausgangspunkt für weitere Diskussionen vor: 1. Einen Vortrag zur Mediologie, um dieses in Deutschland noch immer vielfach unbekannte Diskussionsfeld vorzustellen, auf wichtige Parallelen zu hierzulande geführte Debatten hinzuweisen, aber auch auf mögliche weiterführende Impulse für die Forschung. 2. Einen Workshop zu Medialität als Performanz, der die Inszenierung des Medialen selbst zum Thema hat, mithin auch auf Differenzen zwischen theoretischem Paradigma und produktionsästhetischer Umsetzung hinweist, 3. einen Workshop zum Thema mediale Transformationen von Zeitzeugenschaft, der aktuelle Entwicklungen im Umgang mit Zeugenschaft (etwa im Kontext des Holocaust-Gedenkens aktuell brisant), Authentizität und nicht zuletzt auch Glaubwürdigkeitskriterien im Allgemeinen thematisiert und 4. vielleicht noch einen kleineren Workshop zum Thema Hybridisierung als Kategorie von Transformationsprozessen (wobei ich Hybridisierung in Anlehnung an Paul Soriano nicht nur als ästhetische Kategorie begreife).

Mithin erhoffe ich mir durch einen Aufenthalt am GCSC eine Gelegenheit, meine Forschungsansätze weiter verfolgen, evtl. das ein oder andere Tagungsprojekt voranbringen und vielleicht sogar eine längere Publikation vorbereiten zu können. Nicht zuletzt bin ich auf vertiefende Gespräche mit anderen Fellows und Doktoranden gespannt – für mich unverzichtbar, gerade wenn es um neue Wege an der Schnittstelle von Medien- und Kulturwissenschaft geht, wobei vielleicht gerade auch unterschiedliche Perspektiven (mir als Medienwissenschaftler ist natürlich aufgefallen, dass die meisten Doktoranden eher aus literaturwissenschaftlich konnotierten Disziplinen stammen) einen anregenden Dialog eröffnen könnten.

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